Archiv: Allgemein

Bündnis „Bildung statt Abschiebung“ in Frankfurt gegründet

Am 4. März 2026 nahmen im DGB Haus etwa 150 Mitglieder die Zusammenarbeit im Bündnis „Bildung statt Abschiebung“ auf, das die Gewerkschaft Wissenschaft und Erziehung (GEW) zusammen mit u.a. der Diakonie Hessen, dem Hessischen Flüchtlingsrat und dem Paritätischen Hessen Ende 2025 ins Leben gerufen hatte. Auch Makista e.V. schloss sich bereits bei der Gründung dem Bündnis an – denn besonders Bildungsinstitutionen müssen im Sinne der Unteilbarkeit der in der UN-Kinderrechtskonvention verbrieften Prinzipien Schutz, Förderung, Gleichheit und Beteiligung für die dort Lernenden sichere Räume bleiben. Um dies zu gewährleisten, unterstützt das Bündnis neben dem gemeinsamen öffentlichen Engagement Schulleitungen, Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und Beratungsstellen dabei, für das Interesse der in ihrer Verantwortung stehenden Kinder und Jugendlichen eintreten und sich konkret auf Situationen drohender Abschiebungen vorbereiten zu können. Durch eine rechtliche Einordnung des Anwalts für Migrationsrecht Dr. Jonathan Leuschner, die Workshop-Arbeit an einem Handreichungsbogen für Lehrkräfte und den interprofessionellen Austausch miteinander brachte die Auftaktveranstaltung das Bündnis in diesem Vorhaben bereits ein gutes Stück voran. Bei einer Podiumsdiskussion stellten sich Politikerinnen aller demokratischen Parteien den Fragen und dem Resolutionspapier des Bündnisses, das im Nachgang einstimmig verabschiedet wurde.

Die Resolution zum Download (über GEW Hessen)

Infos zum Bündnis / Beitrag der hessenschau vom 9.12.25

Kinderrechte als Bezugsrahmen für eine demokratische Schule: Neues Ausbildungsprogramm startet

Sieben hessische Schulen starteten am 5. März 2026 in das Ausbildungsprogramm „Auf dem Weg zur Kinderrechteschule“. Makista e. V. begleitet Lehr- und Fachkräfte aus den Grund- und weiterführenden Schulen dabei, sich entlang demokratischer und kinderrechtlicher Grundprinzipien zu entwickeln: Beteiligung, Förderung, Schutz und Gleichheit. Nach Abschluss der modularen Fortbildungsreihe im Frühjahr 2027 werden die Schulen in das seit 2010 bestehende hessenweite Schulnetzwerk für Kinderrechte und Demokratie aufgenommen. Alle Angebote sind Teil des Projekts „KindGeRecht“, das im Rahmen des Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ gefördert wird.

Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, wie wichtig ihre Expertise ist und sie zu ermutigen, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen ist ein zentrales Anliegen demokratiepädagogischer Bemühungen. Eine Orientierung an der UN-Kinderrechtskonvention, die 1992 in Deutschland ratifiziert wurde und seit 2018 Einzug in die Hessische Verfassung gehalten hat, unterstützt dabei. Für schulische Fachkräfte sind die Angebote von Makista im Ausbildungsprogramm eine Hilfestellung, im Alltag immer wieder kinderrechtsbasierte Abwägungen und Entscheidungen zu treffen. Im Zentrum steht dabei ein anspruchsvolles Demokratieverständnis: Demokratie und Menschenrechte gehören unbedingt zusammen.

Über die eigene Institution hinaus werden Kinderrechteschulen vielerorts zu einem Motor für eine demokratische Entwicklung des Gemeinwesens im Stadtteil oder der Kommune: Kooperationen mit der Kita nebenan, Beteiligung an öffentlichen Initiativen für ein solidarisches, diskriminierungsfreies Miteinander oder der Aufbau eines Kinder- und Jugendparlaments sind einige Beispiele für das Entwicklungspotential des Engagements und kollegialen Austauschs.

Wir freuen uns auf diesen gemeinsamen Weg!

Bestandteile des Ausbildungsprogramms:

  • Pädagogischer Tag/ Workshop für das Gesamtkollegium oder eine engagierte Gruppe von Lehrkräften
  • vier Modul-Fortbildungen entlang der Prinzipien: Beteiligung, Schutz, Förderung, Gleichheit Nicht-Diskriminierung (für 2-3 Vertreter*innen der Schule)
  • individuelle Beratung und Umsetzung an der Schule
  • Option für Workshops mit Jugendlichen und/ oder Eltern sowie zu Schwerpunkten wie Klassenrat, Schutzkonzept etc.
  • Unterstützung durch Materialien und Kinderrechte-Lobbyarbeit
  • Aufnahme in das Schulnetzwerk für Kinderrechte und Demokratie Hessen und Arbeit in einer Regionalgruppe

Mehr in der Broschüre „Auf dem Weg zur Kinderrechteschule Hessen“

Beteiligte Schulen im Ausbildungsprogramm 2026-2027:

Erich Kästner Schule Maintal (IGS)
Fridtjof Nansen Schule Kassel (GS)
Fritz-Schubert-Schule Maintal (GS)
Gesamtschule Konradsdorf Ortenberg (KGS)
Geschwister-Scholl-Schule Bensheim (KGS)
Löwenherzschule Bensheim (GS)
Unterneustädter Grundschule Kassel (GS)

Motto zum Weltkindertag 2026

Am 20. September 2026 ist Weltkindertag in Deutschland. Unter dem diesjährigen Weltkindertags-Motto „Starke Kinder, starke Zukunft!“ fordern UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk Politik und Gesellschaft dazu auf, sich jetzt konsequenter für die Rechte der jungen Menschen, für ihren Schutz und die Stärkung ihrer mentalen Gesundheit einzusetzen. Denn viele Kinder und Jugendliche stehen stark unter Druck: Kriege, die Folgen des Klimawandels, Wirtschaftskrisen und ihre sozialen Auswirkungen haben spürbare Folgen für Kinder und ihre Familien – in Deutschland und weltweit. Viele junge Menschen leiden unter großen Zukunftssorgen. Zudem kommen in der digitalen Welt neue Chancen, aber auch große Risiken dazu. Wir fordern gemeinsam mehr Unterstützung für Kinder und Jugendliche und nachhaltige Investitionen in Bildung und Gesundheit. Entscheidend ist dafür auch, junge Menschen stärker einzubeziehen – insbesondere bei politischen Entscheidungen, die in erster Linie ihre Zukunft betreffen.

Wie jedes Jahr sind Kitas, Schulen, Jugendgruppen und alle weiteren Engagierten aufgerufen, den Weltkindertag zu feiern – mit der Beteiligung an der bundesweiten Mitmach-Aktion oder ganz eigenen Aktionen mit den Kindern und Jugendlichen.

Mehr hier (UNICEF) oder hier (DKHW)!

Kinderrechte-Index 2025: Wo steht Hessen?

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat am 11. Dezember den Kinderrechte-Index 2025 veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen wieder deutlich auf, dass nicht alle Kinder in Deutschland die gleichen Chancen auf Schutz, Gesundheit, Bildung und Beteiligung haben. Ob ihre Rechte umgesetzt werden bzw. ob sie diese wahrnehmen können, hängt weiter stark vom Wohnort ab – ein Befund, der so alarmierend wie vermeidbar sei, findet die Landesbeauftragte zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Hessen, Miriam Zeleke: „Kinderrechte dürfen keine Frage des Wohnorts sein. Wir müssen in Deutschland endlich erkennen, dass es strukturelle Ungleichheiten gibt und dass diese die Umsetzung der Kinderrechte systematisch schwächen – und wir müssen entschlossen handeln.“

Der Index des Kinderhilfswerks basiert auf 101 Indikatoren in sechs Kinderrechtsbereichen und vergleicht dabei alle Bundesländer. Während einzelne – insbesondere die Stadtstaaten – recht gut abschneiden, wird insgesamt allerdings deutlich, dass kein einziges Bundesland die UN-Kinderrechtskonvention umfassend umsetzt. Während vor allem Bremen, Hamburg und Niedersachsen gut bewertet werden, liegt Hessen im Mittelfeld, wobei der Bericht in einigen Punkten klaren Handlungsbedarf aufzeigt.

„Kinderrechte sind kein nettes Beiwerk – sie sind ein verbindliches Recht! Der Index offenbart, wo Strukturen fehlen, Programme nicht greifen und wo Kinderrechte politisch zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Kinderrechte sind ein Querschnittsthema, das alle Ressorts betrifft – sie können nicht einfach wegorganisiert werden. Und alle Beteiligten müssen erkennen, dass Kinderrechte, wenn sie richtig verstanden und umgesetzt werden, eine Demokratie krisensicher machen können“, betont Zeleke.

Dabei ist Hessen in vielen Bereichen als Pionier bei der Umsetzung der Kinderrechte vorangegangen: Alle vier Prinzipien der Kinderrechtskonvention genießen hier Verfassungsrang (Nicht-Diskriminierung, Vorrang des Kindeswohls, Recht auf Leben/Überleben/Entwicklung und die Achtung der Meinung des Kindes/Beteiligung). Hessen war auch das erste Bundesland, das eine Kinderrechtebeauftragte berufen hat und ist das erste mit einem systematischen wie unabhängigen Monitoring.

„Dass Hessen nun im Kinderrechte-Index dennoch in vielen Bereichen nur im unteren Mittelfeld platziert ist, liegt daran, dass es zwar viele Bemühungen gibt, es aber an einer rechtsverbindlichen Umsetzung mangelt. Das betrifft das Monitoring der Kinderrechte, die Fachstelle zur Jugendbeteiligung sowie den Landesjugendkongress und viele weitere Maßnahmen zur verbindlichen Beteiligung junger Menschen. Ebenso gilt das für das innovative Landesprogramm ‚Präventionsketten gegen Kinderarmut: Gelingendes Aufwachsen- Kinderrechte leben‘, für eine Landesstrategie gegen Kinderarmut sowie für viele Angebote, die die Teilhabe von Kindern mit Behinderung betreffen“, so die Landesbeauftragte weiter. Sie appelliert: „Kinder brauchen verlässliche staatliche Strukturen – und die dürfen nicht von Postleitzahlen, politischen Mehrheiten oder Projektförderungen abhängen! Wir sollten die Defizite, die der Index aufzeigt jetzt gemeinsam angehen und Kinderrechte konsequent umsetzen. Wir verpassen unserer Demokratie damit ein Update und machen sie zukunftsfest!“

Die Ausgangsbedingungen in Hessen seien schließlich gut, insbesondere durch das landesweite Kinderrechte-Monitoring und die Präventionsketten gegen Kinderarmut. Doch man dürfe sich darauf nicht ausruhen. Die Ergebnisse zeigten klar, wo nachgesteuert werden müsse, wo Kinder und Jugendliche mehr Unterstützung, Schutz und Mitsprache benötigten. Zeleke fordert deshalb:

  • Bundesweit verbindliche Standards für Kinderschutz, Bildung und Beteiligung.
  • Dauerhafte Finanzierung statt befristeter Projekte, um Kontinuität in der Kinderrechte-Infrastruktur zu sichern.
  • Systematische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen auf allen staatlichen Ebenen.
  • Besseren Zugang zu Gesundheits- und psychosozialen Diensten, insbesondere in ländlichen Regionen.
  • Kinderrechte-Folgenabschätzungen für alle politischen Maßnahmen, wie sie der UN-Kinderrechtsausschuss fordert.

„Kinderrechte sichtbar zu machen, heißt, Verantwortung zu übernehmen. Der Kinderrechte-Index 2025 zeigt deutlich, wo wir stehen – und wo wir hinmüssen. Jetzt sind politischer Wille und entschlossenes Handeln gefragt, damit jedes Kind in Deutschland gleichermaßen geschützt, gefördert und gehört wird“, so Miriam Zeleke.

Quelle: Pressemeldung des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales

Infomation: Der Kinderrechte-Index 2025 erscheint online. Den zusammenfassenden
Studienbericht, die sechs Analysepapiere zu den Teilindizes, Steckbriefe zu
den Ergebnissen der einzelnen Bundesländer sowie eine Beschreibung zur
Methodik finden Sie unter www.dkhw.de/kinderrechte-index .

Buchtipp: Unser Schmerz ist unsere Kraft. Neonazis haben unsere Väter ermordet

Das erste Jugendbuch zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zeichnet in einer leicht verständlichen, gleichermaßen präzisen und informativen Art den Weg der selbstermächtigenden Auseinandersetzung von Angehörigen rassistischer Morde nach. Zum 25. Mal jährte sich in diesem Jahr (2025) der Mord an Enver Şimşek. Elf Jahre lang blieb die Familie im Ungewissen darüber, wie ihr Vater und Ehemann zu Tode kam, wer ihn ermordet hatte. Elf Jahre lang, in denen die Legenden um den von Nazis brutal umgebrachten Blumenhändler aus Schlüchtern, seine Kriminalisierung, die Ermittlungen gegen ihn und seine Familie dazu beitrugen, dass den Angehörigen Solidarität und Mitgefühl verwehrt wurde. 14 Jahre alt war Semiya Şimşek als ihr Vater ermordet wurde. Als sie sechs Jahre später erfährt, dass in Dortmund der Kioskbetreiber Mehmet Kubaşık mit derselben Waffe ermordet wurde wie ihr Vater, werden viele Erinnerungen in ihr wach und sie entscheidet sich mit Gamze Kubaşik, der zu diesem Zeitpunkt 20jährigen Tochter von Mehmet Kubaşik, Kontakt aufzunehmen. Dies ist der Beginn eines gemeinsamen Kampfes um Sichtbarwerdung und Anerkennung und vor allem der Beginn einer Freundschaft, die Dinge ermöglicht, die keine von beiden alleine hätte bewältigen können. Davon zu lesen, gibt Kraft, die zum Teil erschreckenden und oft sehr wütend machende Geschichte des rassistischen Mordens des NSU, seiner schleppenden Aufklärung und die Wirkung auf die Betroffenen nachzuvollziehen.

Wer sich mit diesem Jugendbuch beschäftigt – ob privat, als Jugendliche*r, Lehr- oder Fachkraft in der Jugendarbeit – trägt dazu bei, dass die Opfer des NSU nicht vergessen werden und die Aufmerksamkeit zur Aufarbeitung bestehen bleibt. In Gedächtnisberichten, Chat- und Telefonprotokollen erfahren wir in dem Buch, wie Gamze Kubasik und Semiya Simsek die Geschehnisse damals (und bis heute) erlebt haben. Beide haben es geschafft, aus ihrem Schmerz (auch gemeinsam) zu einem aktivistischen Weg zu finden. Mit ihrem Buch schaffen sie Öffentlichkeit für die Perspektive von Hinterbliebenen und Opfern rechter Gewalt. Sie geben Jugendlichen private Gedanken, aber vor allem auch Fakten an die Hand, die es ihnen ermöglichen, sich selbst damit auseinanderzusetzen und ihre Haltung einzuordnen. Das Jugendbuch eignet sich für Leser*innen ab 14 Jahren. Es ist auch für Erwachsene sehr empfehlenswert. Man kann Gamze Kubaşik und Semiya Şimşek auch zu einer Lesung an die Schule holen: Kontakt