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Lehrfilmreihe „Kinderrechte für Alle“ für pädagogische Fachkräfte

In zehn kurzen Lehrvideos zeigt die Deutsche Liga für das Kind anschaulich und gespickt mit viel Hintergrundwissen, wie Kinderrechte diskriminierungssensibel umgesetzt werden können und sollten. Die etwa achtminütigen Clips bieten statistische Zahlen und Basisinformationen zu Grundprinzipien der Kinderrechte und ihre Relevanz für den pädagogischen Alltag, daneben bringen Expert*innen ihre Perspektiven aus Psychologie, Sozialwissenschaften, politischer Bildung, Beratungsangeboten z.B. für geflüchtete Jugendliche oder junge Queers sowie aus pädagogischen Einrichtungen ein. So entsteht eine umfangreiche Reihe zu ganz unterschiedlichen Themenschwerpunkten wie Kritikfähigkeit, Diversität im Hilfesystem, kultursensiblem Arbeiten oder Empowerment von Kindern und Jugendlichen in der postmigrantischen Gesellschaft, die auf Basis der UN-Kinderrechtskonvention gerahmt werden.

Hier finden Sie die Filmreihe „Kinderrechte für Alle“

Kinderrechte und geschlechtliche Vielfalt: Queer History Month

Der Queer History Month erinnert jedes Jahr an die Geschichte, Kämpfe und Errungenschaften queerer Menschen. Während er in Großbritannien und vielen europäischen Kontexten im Februar stattfindet, wird er in den USA und Kanada im Oktober begangen. Egal wann, ein Aktionsmonat lädt dazu ein, sich mit queerer Geschichte auseinanderzusetzen, Vielfalt anzuerkennen und diskriminierungskritische Perspektiven in Bildung, Kultur und Gesellschaft zu stärken. Ein Mut machendes Beispiel für Bildungsarbeit in diesem Themenfeld ist die Berliner Initiative „Queer History Month“, die die Auseinandersetzung mit queeren Themen insbesondere in (weiterführenden) Schulen und Jugendeinrichtungen fördert, Workshops anbietet, Veranstaltungen organisiert und Materialien zur Verfügung stellt. Auf der Website finden sich u. a. Inspirationen für Unterrichtsthemen, ein Glossar zu Begriffen der sexuellen Vielfalt oder queere Zeitzeug*innen-Interviews.
Für eine vertiefte Beschäftigung mit dem Thema bietet das Materialpaket „Kinderrechte und geschlechtliche Vielfalt“ auf dem Kinderrechte Portal der National Coalition eine hilfreiche Unterstützung. Es enthält Hintergrundinformationen sowie Unterrichtsmaterialien, Leitfäden und Kinderbücher und vieles mehr. Die Materialien unterstützen pädagogische Fachkräfte dabei, geschlechtliche Vielfalt im Zusammenhang mit Kinderrechten – etwa den Rechten auf Schutz, Bildung, Gesundheit, Beteiligung und Nicht-Diskriminierung – in ihrer Arbeit aufzugreifen.

Schulsprecherinnen organisieren „Tag der Menschlichkeit“

Schüler*innen der Weidigschule Butzbach setzten mit einem selbst organisierten Aktionstag am 25. Februar 2026 ein Zeichen gegen Diskriminierung. Am „Tag der Menschlichkeit“ standen zentrale gesellschaftliche Themen wie Kinderrechte, Diskriminierung, Demokratie, Solidarität und politische Bildung im Mittelpunkt. Die Schulsprecherinnen des Gymnasiums initiierten den Tag als Teil ihrer Arbeitsgruppe „Mensch ist Mensch“ – mit dem Ziel einen respektvollen Umgang im schulischen Alltag zu fördern. Mehr als 20 Organisationen und rund 40 Referent*innen gestalteten ein abwechslungsreiches Angebot mit Diskussionsrunden, kreativen Formaten und informativen Beiträgen für unterschiedliche Jahrgangsstufen. Makista wurde für einen Workshop zum Thema „Kinderrechte sind Jugendrechte“ eingeladen und beschäftigte sich mit engagierten Schüler*innen mit den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention sowie der Frage, wie Jugendliche ihre Rechte im Alltag wahrnehmen (können). Welche Rechte werden bereits verwirklicht? Wo besteht Handlungsbedarf? Und wie können sie sich selbst für ihre Anliegen einsetzen und Mitstreiterinnen gewinnen? Ein Ergebnis für viele Jugendliche: Die Jugendrechte stärken uns und wir wollen uns auch außerhalb der Schule engagieren – z.B. in einem Jugendparlament. Die Stadt Butzbach hat bereits vor einigen Jahren ein Kinderparlament sowie den Kindersamstag etabliert und eine aktive Jugendarbeit.
In anderen Workshops ging es u. a. um ein vertieftes Demokratieverständnis, Aspekte der Erinnerungskultur sowie die Entwicklung demokratischer Strukturen (Projekt „Zusammenleben neu gestalten“ der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik) oder um Kommunalpolitik, Rechtsextremismus im Internet sowie (Alltags-)Rassismus und Verschwörungstheorien.

Kinderrechte-Index 2025: Wo steht Hessen?

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat am 11. Dezember den Kinderrechte-Index 2025 veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen wieder deutlich auf, dass nicht alle Kinder in Deutschland die gleichen Chancen auf Schutz, Gesundheit, Bildung und Beteiligung haben. Ob ihre Rechte umgesetzt werden bzw. ob sie diese wahrnehmen können, hängt weiter stark vom Wohnort ab – ein Befund, der so alarmierend wie vermeidbar sei, findet die Landesbeauftragte zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Hessen, Miriam Zeleke: „Kinderrechte dürfen keine Frage des Wohnorts sein. Wir müssen in Deutschland endlich erkennen, dass es strukturelle Ungleichheiten gibt und dass diese die Umsetzung der Kinderrechte systematisch schwächen – und wir müssen entschlossen handeln.“

Der Index des Kinderhilfswerks basiert auf 101 Indikatoren in sechs Kinderrechtsbereichen und vergleicht dabei alle Bundesländer. Während einzelne – insbesondere die Stadtstaaten – recht gut abschneiden, wird insgesamt allerdings deutlich, dass kein einziges Bundesland die UN-Kinderrechtskonvention umfassend umsetzt. Während vor allem Bremen, Hamburg und Niedersachsen gut bewertet werden, liegt Hessen im Mittelfeld, wobei der Bericht in einigen Punkten klaren Handlungsbedarf aufzeigt.

„Kinderrechte sind kein nettes Beiwerk – sie sind ein verbindliches Recht! Der Index offenbart, wo Strukturen fehlen, Programme nicht greifen und wo Kinderrechte politisch zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Kinderrechte sind ein Querschnittsthema, das alle Ressorts betrifft – sie können nicht einfach wegorganisiert werden. Und alle Beteiligten müssen erkennen, dass Kinderrechte, wenn sie richtig verstanden und umgesetzt werden, eine Demokratie krisensicher machen können“, betont Zeleke.

Dabei ist Hessen in vielen Bereichen als Pionier bei der Umsetzung der Kinderrechte vorangegangen: Alle vier Prinzipien der Kinderrechtskonvention genießen hier Verfassungsrang (Nicht-Diskriminierung, Vorrang des Kindeswohls, Recht auf Leben/Überleben/Entwicklung und die Achtung der Meinung des Kindes/Beteiligung). Hessen war auch das erste Bundesland, das eine Kinderrechtebeauftragte berufen hat und ist das erste mit einem systematischen wie unabhängigen Monitoring.

„Dass Hessen nun im Kinderrechte-Index dennoch in vielen Bereichen nur im unteren Mittelfeld platziert ist, liegt daran, dass es zwar viele Bemühungen gibt, es aber an einer rechtsverbindlichen Umsetzung mangelt. Das betrifft das Monitoring der Kinderrechte, die Fachstelle zur Jugendbeteiligung sowie den Landesjugendkongress und viele weitere Maßnahmen zur verbindlichen Beteiligung junger Menschen. Ebenso gilt das für das innovative Landesprogramm ‚Präventionsketten gegen Kinderarmut: Gelingendes Aufwachsen- Kinderrechte leben‘, für eine Landesstrategie gegen Kinderarmut sowie für viele Angebote, die die Teilhabe von Kindern mit Behinderung betreffen“, so die Landesbeauftragte weiter. Sie appelliert: „Kinder brauchen verlässliche staatliche Strukturen – und die dürfen nicht von Postleitzahlen, politischen Mehrheiten oder Projektförderungen abhängen! Wir sollten die Defizite, die der Index aufzeigt jetzt gemeinsam angehen und Kinderrechte konsequent umsetzen. Wir verpassen unserer Demokratie damit ein Update und machen sie zukunftsfest!“

Die Ausgangsbedingungen in Hessen seien schließlich gut, insbesondere durch das landesweite Kinderrechte-Monitoring und die Präventionsketten gegen Kinderarmut. Doch man dürfe sich darauf nicht ausruhen. Die Ergebnisse zeigten klar, wo nachgesteuert werden müsse, wo Kinder und Jugendliche mehr Unterstützung, Schutz und Mitsprache benötigten. Zeleke fordert deshalb:

  • Bundesweit verbindliche Standards für Kinderschutz, Bildung und Beteiligung.
  • Dauerhafte Finanzierung statt befristeter Projekte, um Kontinuität in der Kinderrechte-Infrastruktur zu sichern.
  • Systematische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen auf allen staatlichen Ebenen.
  • Besseren Zugang zu Gesundheits- und psychosozialen Diensten, insbesondere in ländlichen Regionen.
  • Kinderrechte-Folgenabschätzungen für alle politischen Maßnahmen, wie sie der UN-Kinderrechtsausschuss fordert.

„Kinderrechte sichtbar zu machen, heißt, Verantwortung zu übernehmen. Der Kinderrechte-Index 2025 zeigt deutlich, wo wir stehen – und wo wir hinmüssen. Jetzt sind politischer Wille und entschlossenes Handeln gefragt, damit jedes Kind in Deutschland gleichermaßen geschützt, gefördert und gehört wird“, so Miriam Zeleke.

Quelle: Pressemeldung des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales

Infomation: Der Kinderrechte-Index 2025 erscheint online. Den zusammenfassenden
Studienbericht, die sechs Analysepapiere zu den Teilindizes, Steckbriefe zu
den Ergebnissen der einzelnen Bundesländer sowie eine Beschreibung zur
Methodik finden Sie unter www.dkhw.de/kinderrechte-index .

Buchtipp: Unser Schmerz ist unsere Kraft. Neonazis haben unsere Väter ermordet

Das erste Jugendbuch zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zeichnet in einer leicht verständlichen, gleichermaßen präzisen und informativen Art den Weg der selbstermächtigenden Auseinandersetzung von Angehörigen rassistischer Morde nach. Zum 25. Mal jährte sich in diesem Jahr (2025) der Mord an Enver Şimşek. Elf Jahre lang blieb die Familie im Ungewissen darüber, wie ihr Vater und Ehemann zu Tode kam, wer ihn ermordet hatte. Elf Jahre lang, in denen die Legenden um den von Nazis brutal umgebrachten Blumenhändler aus Schlüchtern, seine Kriminalisierung, die Ermittlungen gegen ihn und seine Familie dazu beitrugen, dass den Angehörigen Solidarität und Mitgefühl verwehrt wurde. 14 Jahre alt war Semiya Şimşek als ihr Vater ermordet wurde. Als sie sechs Jahre später erfährt, dass in Dortmund der Kioskbetreiber Mehmet Kubaşık mit derselben Waffe ermordet wurde wie ihr Vater, werden viele Erinnerungen in ihr wach und sie entscheidet sich mit Gamze Kubaşik, der zu diesem Zeitpunkt 20jährigen Tochter von Mehmet Kubaşik, Kontakt aufzunehmen. Dies ist der Beginn eines gemeinsamen Kampfes um Sichtbarwerdung und Anerkennung und vor allem der Beginn einer Freundschaft, die Dinge ermöglicht, die keine von beiden alleine hätte bewältigen können. Davon zu lesen, gibt Kraft, die zum Teil erschreckenden und oft sehr wütend machende Geschichte des rassistischen Mordens des NSU, seiner schleppenden Aufklärung und die Wirkung auf die Betroffenen nachzuvollziehen.

Wer sich mit diesem Jugendbuch beschäftigt – ob privat, als Jugendliche*r, Lehr- oder Fachkraft in der Jugendarbeit – trägt dazu bei, dass die Opfer des NSU nicht vergessen werden und die Aufmerksamkeit zur Aufarbeitung bestehen bleibt. In Gedächtnisberichten, Chat- und Telefonprotokollen erfahren wir in dem Buch, wie Gamze Kubasik und Semiya Simsek die Geschehnisse damals (und bis heute) erlebt haben. Beide haben es geschafft, aus ihrem Schmerz (auch gemeinsam) zu einem aktivistischen Weg zu finden. Mit ihrem Buch schaffen sie Öffentlichkeit für die Perspektive von Hinterbliebenen und Opfern rechter Gewalt. Sie geben Jugendlichen private Gedanken, aber vor allem auch Fakten an die Hand, die es ihnen ermöglichen, sich selbst damit auseinanderzusetzen und ihre Haltung einzuordnen. Das Jugendbuch eignet sich für Leser*innen ab 14 Jahren. Es ist auch für Erwachsene sehr empfehlenswert. Man kann Gamze Kubaşik und Semiya Şimşek auch zu einer Lesung an die Schule holen: Kontakt