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Kinderrechte-Index 2025: Wo steht Hessen?

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat am 11. Dezember den Kinderrechte-Index 2025 veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen wieder deutlich auf, dass nicht alle Kinder in Deutschland die gleichen Chancen auf Schutz, Gesundheit, Bildung und Beteiligung haben. Ob ihre Rechte umgesetzt werden bzw. ob sie diese wahrnehmen können, hängt weiter stark vom Wohnort ab – ein Befund, der so alarmierend wie vermeidbar sei, findet die Landesbeauftragte zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Hessen, Miriam Zeleke: „Kinderrechte dürfen keine Frage des Wohnorts sein. Wir müssen in Deutschland endlich erkennen, dass es strukturelle Ungleichheiten gibt und dass diese die Umsetzung der Kinderrechte systematisch schwächen – und wir müssen entschlossen handeln.“

Der Index des Kinderhilfswerks basiert auf 101 Indikatoren in sechs Kinderrechtsbereichen und vergleicht dabei alle Bundesländer. Während einzelne – insbesondere die Stadtstaaten – recht gut abschneiden, wird insgesamt allerdings deutlich, dass kein einziges Bundesland die UN-Kinderrechtskonvention umfassend umsetzt. Während vor allem Bremen, Hamburg und Niedersachsen gut bewertet werden, liegt Hessen im Mittelfeld, wobei der Bericht in einigen Punkten klaren Handlungsbedarf aufzeigt.

„Kinderrechte sind kein nettes Beiwerk – sie sind ein verbindliches Recht! Der Index offenbart, wo Strukturen fehlen, Programme nicht greifen und wo Kinderrechte politisch zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Kinderrechte sind ein Querschnittsthema, das alle Ressorts betrifft – sie können nicht einfach wegorganisiert werden. Und alle Beteiligten müssen erkennen, dass Kinderrechte, wenn sie richtig verstanden und umgesetzt werden, eine Demokratie krisensicher machen können“, betont Zeleke.

Dabei ist Hessen in vielen Bereichen als Pionier bei der Umsetzung der Kinderrechte vorangegangen: Alle vier Prinzipien der Kinderrechtskonvention genießen hier Verfassungsrang (Nicht-Diskriminierung, Vorrang des Kindeswohls, Recht auf Leben/Überleben/Entwicklung und die Achtung der Meinung des Kindes/Beteiligung). Hessen war auch das erste Bundesland, das eine Kinderrechtebeauftragte berufen hat und ist das erste mit einem systematischen wie unabhängigen Monitoring.

„Dass Hessen nun im Kinderrechte-Index dennoch in vielen Bereichen nur im unteren Mittelfeld platziert ist, liegt daran, dass es zwar viele Bemühungen gibt, es aber an einer rechtsverbindlichen Umsetzung mangelt. Das betrifft das Monitoring der Kinderrechte, die Fachstelle zur Jugendbeteiligung sowie den Landesjugendkongress und viele weitere Maßnahmen zur verbindlichen Beteiligung junger Menschen. Ebenso gilt das für das innovative Landesprogramm ‚Präventionsketten gegen Kinderarmut: Gelingendes Aufwachsen- Kinderrechte leben‘, für eine Landesstrategie gegen Kinderarmut sowie für viele Angebote, die die Teilhabe von Kindern mit Behinderung betreffen“, so die Landesbeauftragte weiter. Sie appelliert: „Kinder brauchen verlässliche staatliche Strukturen – und die dürfen nicht von Postleitzahlen, politischen Mehrheiten oder Projektförderungen abhängen! Wir sollten die Defizite, die der Index aufzeigt jetzt gemeinsam angehen und Kinderrechte konsequent umsetzen. Wir verpassen unserer Demokratie damit ein Update und machen sie zukunftsfest!“

Die Ausgangsbedingungen in Hessen seien schließlich gut, insbesondere durch das landesweite Kinderrechte-Monitoring und die Präventionsketten gegen Kinderarmut. Doch man dürfe sich darauf nicht ausruhen. Die Ergebnisse zeigten klar, wo nachgesteuert werden müsse, wo Kinder und Jugendliche mehr Unterstützung, Schutz und Mitsprache benötigten. Zeleke fordert deshalb:

  • Bundesweit verbindliche Standards für Kinderschutz, Bildung und Beteiligung.
  • Dauerhafte Finanzierung statt befristeter Projekte, um Kontinuität in der Kinderrechte-Infrastruktur zu sichern.
  • Systematische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen auf allen staatlichen Ebenen.
  • Besseren Zugang zu Gesundheits- und psychosozialen Diensten, insbesondere in ländlichen Regionen.
  • Kinderrechte-Folgenabschätzungen für alle politischen Maßnahmen, wie sie der UN-Kinderrechtsausschuss fordert.

„Kinderrechte sichtbar zu machen, heißt, Verantwortung zu übernehmen. Der Kinderrechte-Index 2025 zeigt deutlich, wo wir stehen – und wo wir hinmüssen. Jetzt sind politischer Wille und entschlossenes Handeln gefragt, damit jedes Kind in Deutschland gleichermaßen geschützt, gefördert und gehört wird“, so Miriam Zeleke.

Quelle: Pressemeldung des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales

Infomation: Der Kinderrechte-Index 2025 erscheint online. Den zusammenfassenden
Studienbericht, die sechs Analysepapiere zu den Teilindizes, Steckbriefe zu
den Ergebnissen der einzelnen Bundesländer sowie eine Beschreibung zur
Methodik finden Sie unter www.dkhw.de/kinderrechte-index .

Buchtipp: Unser Schmerz ist unsere Kraft. Neonazis haben unsere Väter ermordet

Das erste Jugendbuch zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zeichnet in einer leicht verständlichen, gleichermaßen präzisen und informativen Art den Weg der selbstermächtigenden Auseinandersetzung von Angehörigen rassistischer Morde nach. Zum 25. Mal jährte sich in diesem Jahr (2025) der Mord an Enver Şimşek. Elf Jahre lang blieb die Familie im Ungewissen darüber, wie ihr Vater und Ehemann zu Tode kam, wer ihn ermordet hatte. Elf Jahre lang, in denen die Legenden um den von Nazis brutal umgebrachten Blumenhändler aus Schlüchtern, seine Kriminalisierung, die Ermittlungen gegen ihn und seine Familie dazu beitrugen, dass den Angehörigen Solidarität und Mitgefühl verwehrt wurde. 14 Jahre alt war Semiya Şimşek als ihr Vater ermordet wurde. Als sie sechs Jahre später erfährt, dass in Dortmund der Kioskbetreiber Mehmet Kubaşık mit derselben Waffe ermordet wurde wie ihr Vater, werden viele Erinnerungen in ihr wach und sie entscheidet sich mit Gamze Kubaşik, der zu diesem Zeitpunkt 20jährigen Tochter von Mehmet Kubaşik, Kontakt aufzunehmen. Dies ist der Beginn eines gemeinsamen Kampfes um Sichtbarwerdung und Anerkennung und vor allem der Beginn einer Freundschaft, die Dinge ermöglicht, die keine von beiden alleine hätte bewältigen können. Davon zu lesen, gibt Kraft, die zum Teil erschreckenden und oft sehr wütend machende Geschichte des rassistischen Mordens des NSU, seiner schleppenden Aufklärung und die Wirkung auf die Betroffenen nachzuvollziehen.

Wer sich mit diesem Jugendbuch beschäftigt – ob privat, als Jugendliche*r, Lehr- oder Fachkraft in der Jugendarbeit – trägt dazu bei, dass die Opfer des NSU nicht vergessen werden und die Aufmerksamkeit zur Aufarbeitung bestehen bleibt. In Gedächtnisberichten, Chat- und Telefonprotokollen erfahren wir in dem Buch, wie Gamze Kubasik und Semiya Simsek die Geschehnisse damals (und bis heute) erlebt haben. Beide haben es geschafft, aus ihrem Schmerz (auch gemeinsam) zu einem aktivistischen Weg zu finden. Mit ihrem Buch schaffen sie Öffentlichkeit für die Perspektive von Hinterbliebenen und Opfern rechter Gewalt. Sie geben Jugendlichen private Gedanken, aber vor allem auch Fakten an die Hand, die es ihnen ermöglichen, sich selbst damit auseinanderzusetzen und ihre Haltung einzuordnen. Das Jugendbuch eignet sich für Leser*innen ab 14 Jahren. Es ist auch für Erwachsene sehr empfehlenswert. Man kann Gamze Kubaşik und Semiya Şimşek auch zu einer Lesung an die Schule holen: Kontakt

„KindGeRecht-Demokratiebegleiter*in“ werden!

Wer in der Region Bensheim und Bergstraße engagiert ist für demokratiestärkende Lern- und Alltagsräume von Kindern und Jugendlichen hat die Möglichkeit an dem Anfang 2026 startenden Angebot von Makista teilzunehmen und sich weiter zu vernetzen: In einer modularen Workshopreihe beschäftigen wir uns mit der Relevanz eines kinderrechtsbasierten Demokratieverständnisses für das Aufwachsen junger Menschen. Wir nehmen aktuelle Herausforderungen in den Blick: junge Menschen sind immer häufiger mit rechtspopulistischen Deutungen konfrontiert und ihr Recht auf Beteiligung wird nicht ausreichend ernstgenommen – um nur einige zu nennen. Eine kinderrechtsbasierte Herangehensweise kann unterschiedlichen lokalen Akteurinnen bei der Planung von (etablierten oder neuen) Vorhaben zur Demokratiestärkung helfen, aber auch bei einem solidarischen Reagieren auf antidemokratische Anfeindungen. Eingeladen sind zum einen Erwachsene, die mit Kindern und Jugendlichen direkt arbeiten, aber genauso diejenigen, die in Demokratiebündnissen oder Bündnissen gegen Rechtsextremismus aktiv sind. Das kostenfreie Angebot beinhaltet vier Module, die sich auf je ein Prinzip der UN-Kinderrechtskonvention konzentrieren und deren Relevanz für die Stärkung eines demokratischen Umfelds beleuchten: Partizipation, Schutz, Gleichheit/Nicht-Diskriminierung und Förderung. Zu diesen Themen findet mit einer festen Gruppe jeweils ein interaktiver Nachmittag (ca. 15 bis 18 Uhr) im Abstand von etwa sechs Wochen statt. Nach Ablauf des Modulprogramms erhalten die Teilnehmenden ein „KindGeRecht!“-Zertifikat, das sie als kinderrechtlich qualifizierte Demokratiebegleiterinnen auszeichnet. Das Angebot ist Teil des im Landesprogramm „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ geförderten Projekts „KindGeRecht – Stärkung des demokratischen Miteinanders durch Kinderrechte“ von Makista e. V. Weiterer Förderer ist die Deutsche Postcode Lotterie.

Jahreskonferenz des Hessen-Bündnisses „Demokratiebildung nachhaltig gestalten“

Rund 30 Teilnehmer*innen aus über 20 Mitgliederorganisationen nahmen an der Bündniskonferenz „Für eine solidarische Zukunftsgestaltung“ am 07. November 2025 in der Evangelischen Akademie Frankfurt teil. Während draußen auf dem Römer der Tannenbaum illuminiert wurde, ging es in Seminarraum in einem erhellenden Impulsvortrag um die Möglichkeiten, Aufgaben und Grundlagen politischer Bildung. Susann Gessner, seit 2020 Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der Philipps-Universität Marburg, plädierte für ein weites und tiefes Konzept einer politischen Bildung, die nicht in erster Linie dazu da ist, demokratieskeptische oder -feindliche Einstellungen zu verhindern, sondern – abgeleitet aus einer humanistischen Bildungsidee – Perspektiven, Gestaltungsräume und Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen. Um eine so verstandene politische Bildung in- und außerhalb von Schule umfassend und gut umsetzen zu können, bedürfe es transdisziplinärer Forschungsgrundlagen. Nach dem Vortrag widmeten sich die Teilnehmerinnen mit dem „Zeitstrahl“ unter Leitung des Projekts „Zusammenleben neu gestalten“ der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik einer besonderen Methode, in der anhand bekannter oder weniger bekannter Ereignisse Demokratie und Menschenrechte als Leitideen gesellschaftlicher Kämpfe und oft langwieriger Entwicklungen in den Blick genommen werden können. Nach der Mittagspause wurde es in drei Arbeitsgruppen konkret: Was bedeutet die Infragestellung demokratischer Verhältnisse für unsere Arbeit? Wie können Organisationen mit menschenrechtlich nicht haltbaren Anforderungen umgehen, mit denen sie konfrontiert werden? Und: Welche guten Entwicklungen und Ideen wollen wir miteinander teilen? Die Abschlussrunde machte deutlich, wie gewinnbringend die Anwesenden die Jahreskonferenz empfanden und dass es großes Interesse am weiteren Austausch sowie gegenseitiger Stärkung im Bündnis gibt.

Zum Bündnis:

Es ist Zeit gemeinsam zu handeln: für Menschenrechte einstehen und für die Demokratie aufstehen. Zum Tag der Kinderrechte am 20. November 2019 gründeten Personen und Organisationen der hessischen Zivilgesellschaft mit diesem Vorhaben in Wetzlar das Bündnis „Demokratiebildung nachhaltig gestalten“. Initiatoren sind der Landesverband Hessen der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe), die Sportjugend Hessen sowie Makista. Kontext ist das bundesweite Bündnis „Bildung für eine demokratische Gesellschaft“ der DeGeDe. Mitglieder des Bündnisses treffen sich einmal im Jahr, um sich über gesellschaftspolitische Themen und Anliegen auszutauschen. Mehr

Internationaler Tag der Kinderrechte

Am 20.11. ist Internationaler Tag der Kinderrechte. Zu diesem besonderen Tag finden bundesweit Aktionen statt, die mehr Aufmerksamkeit für die Kinderrechte einfordern.

Ein breites Bündnis aus 24 Kinder- und Jugendverbänden sowie Kinderrechtsorganisationen richtet einen Appell an die Bundesregierung, der zu entschlossenem Handeln beim Klimaschutz aufruft: „Klimaschutz ist mehr als ein ökologisches Ziel. Klimaschutz ist Kinderschutz. Klimaschutz ist Schutz vor Armut, Ungleichheit und Zukunftsangst. Klimaschutz ist unser Recht und eure Pflicht!“ Den Appell können Sie hier abrufen.

UNICEF hat zahlreiche Aktionen geplant, die in diesem Jahr unter dem Motto „Jedes Kind zählt!“ stehen. Denn: Jedes Kind und jeder Jugendliche auf der Welt hat dieselben Rechte – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sozialem Status. Die Realität sieht für Millionen Kinder jedoch ganz anders aus. Um die Bedeutung der universell geltenden Kinderrechte zu unterstreichen, erstrahlen am 20.11. markante Gebäude in Blau – der Farbe der Kinderrechte.

Außerdem engagieren sich über eine Viertelmillion Schülerinnen im Zuge der bundesweiten Mitmach-Aktion „I AM. Ich bin einmalig. Ich bin vieles. Ich bin gut.“