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23.2.2012 : 5:53 : +0100

„Recht und Ordnung“ an der Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund Hospitationsfahrt der Modellschulen für Kinderrechte Rhein-Main

Auf die Frage, was ihm an seiner Schule gefällt, antwortete ein Schüler der Grundschule Kleine Kielstraße: „Dass es hier Recht und Ordnung gibt für alle“. Ihr Ziel, eine gute und verlässliche Schule aufzubauen, die die oft nachteiligen Grundvoraussetzungen der Kinder im Dortmunder Norden abfängt, hat Schulleiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart offenbar erreicht. Am 1. Dezember besuchten zehn Lehrkräfte der Modellschulen für Kinderrechte aus dem Rhein-Main-Gebiet die undefinedGrundschule Kleine Kielstraße, um mehr über das Schulkonzept, vor allem die Elternzusammenarbeit zu erfahren. Im Jahr 2006 erhielt die Schule dafür den undefinedDeutschen Schulpreis.

Schulleiterin Schultebraucks-Burgkart begrüßte die Hospitations-Teilnehmer in ihrem Büro bevor diese die Schule auf einem Schulrundgang besser kennenlernen durften. Durch farbenfroh gestaltete Flure, die unter anderem die Herkunftsorte der Eltern der Schülerinnen und Schüler auf einer riesigen Weltkarte anzeigten, ging es zu den Klassenräumen. Dort wurden das Unterrichtskonzept und die Schwerpunkte der Schule näher erläutert. Ebenso besuchten die Gäste das Elterncafé und die Lernwerkstatt. Im Anschluss an den Rundgang stellte die Schulleiterin ausführlich den Entwicklungsprozess sowie Konzeption und Arbeitsweisen der Schule vor.

Der Stadtteil im Dortmunder Norden, in dem die Schule liegt gilt als „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“. Als die Schule 1994 gegründet wurde erkannte sie es in dem benachteiligten Stadtteil als ihren Auftrag „allen Kindern zu ermöglichen, tragfähige Grundlagen für ihr weiteres Leben zu erwerben“ (undefinedSchulleitbild). Die Schulleitung und das gesamte Kollegium der Grundschule Kleine Kielstraße begreifen ihre Schule als lernende Institution. D.h. es finden regelmäßig Evaluationen im Team, mit Eltern und mit den Kindern in alle Richtungen statt. Als Tipp gibt die Schulleiterin weiter: Bei der Entwicklung von neuen Ideen ist es wichtig, diese nicht klein zu diskutieren. Bevor Kritik geäußert wird muss eine Erprobungszeit eingeräumt werden. Danach gilt: Das Bewährte beibehalten und Dinge die sich als untauglich erweisen über Bord werfen. Essentieller Erfolg dieser Prozesse ist die Identifikation des ganzen Kollegiums mit der Konzeption der Schule. Das umfassende Schulentwicklungskonzept wird dabei geleitet von der Vision einer „guten Schule“ für alle Kinder, die sie besuchen. Die undefineddrei Säulen zur Arbeit mit Eltern, Kindern und Lehrkräften bilden das umfangreich strukturierte pädagogische Grundgerüst der Grundschule Kleine Kielstraße, das sich immer an den Kindern und ihren Grundbedürfnissen ausrichtet - Grundbedürfnisse die sich auch in der UN-Kinderrechtskonvention wiederfinden.

Die Erfahrung der Grundschule Kleine Kielstraße zeigt, dass bestehende Schwierigkeiten an der eigenen Schule Veränderungen vorantreiben und neue Entwicklungen anregen. So entstand z.B. der „Verfassungstag“ aus einem wiederkehrenden Konflikt zwischen Kindern mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. Schülerinnen und Schüler der 3. Klasse erklären seither an diesem Tag Mitschülern und Eltern das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Hierbei steht vor allem ein Artikel im Vordergrund, der das Zusammenleben an der Schule besonders wichtig ist: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich!

Bereits bevor die Kinder in die erste Klasse eingeschult werden beginnt die Schule an den Grundlagen für einen erfolgreichen Schulbesuch zu arbeiten. Unter dem Motto „Auf den Anfang kommt es an“ wird der Entwicklungsstand jedes Schulanfängerkindes bereits im Kindergarten genau betrachtet, um die Kindertageseinrichtungen durch gezielte Fördervorschläge zu unterstützen. Kindergartenkinder werden zu spielerischer Frühförderung an die Schule eingeladen, dürfen eine Woche lang die zukünftige Schule besuchen und zu Schulbeginn wird die Lernentwicklung noch einmal überprüft.

Die Schülerinnen und Schüler in der Schuleingangsphase lernen Jahrgangsübergreifend. Es können so individuelle Fördermöglichkeiten optimal ausgeschöpft werden und auf Entwicklungen flexibel reagiert werden. Alle Kinder arbeiten zwar am gleichen Thema jedoch auf unterschiedlichen Fähigkeitsstufen. Die Förderung von Lernkompetenz im Rahmen individualisierten Unterrichts wird dabei über differenzierte Wochenpläne gesteuert. Speziell für den Matheunterricht haben die Lehrer eigene und einheitliche Unterrichtsmaterialien entwickelt. Sie sind damit so erfolgreich, dass bald ein Verlag das „Matherad“ herausbringt. Die Hospitationsteilnehmer konnten in einer Mathestunde erleben, wie damit gearbeitet wird. Während die Schüler in Gruppen, zu zweit oder in Einzelarbeit an ihren Matheplänen lernten, stand die Lehrerin den Teilnehmern für Fragen zur Verfügung.

Zugunsten eines teambetonten, kooperativen Miteinanders hat sich das Kollegium an der Grundschule vom traditionellen Einzelkämpfertum verabschiedet. So entstand eine breite Vernetzung, professionelle Zusammenarbeit und gleichzeitig hohe Verantwortlichkeit unter den Lehrkräften. Die Lehrer arbeiten eng in Jahrgangsstufenteams zusammen. Alle Lehrer der Jahrgangsstufe kommen einmal wöchentlich zusammen und reflektieren ihre Arbeit. Von thematisch ausgerichteten Teams (Matheteam, Sachkundeteam, …) werden die Fachinhalte betreut und der Unterricht vorbereitet. Somit ist jeder Lehrkraft ein Fach (oder ein übergreifendes Thema) zugeordnet, für das er ein Jahr die Verantwortung trägt und für die ganze Jahrgangsstufe den Unterricht vorbereitet. Im Gegenzug erhält er vorbereitete Unterrichtsmaterialien für seinen sonstigen Unterricht. Diese Arbeitsweise hat den Vorteil, dass Schülerinnen und Schüler der gleichen Jahrgangsstufe den gleichen Unterricht erhalten und Vertretungsstunden leicht zu organisieren sind. Die Jahrgangstufenteams sammeln ihre Arbeit in Jahrgangsordnern und geben sie an Kollegen weiter. Arbeitsmaterialien werden in Themenkisten gepackt und in der Lernwerkstatt gesammelt.

Einen besonderen Weg geht die Schule auch bei der Einbeziehung der Eltern. Nach dem Motto „Eine gute Schule ist eine Schule die partnerschaftlich mit den Eltern zusammenarbeitet“ werden die Eltern bereits vor dem Schulantritt unterstützt, Ängste und Hoffnungen der Eltern werden ernst genommen. Es gibt gemeinsam von Kindergarten und Schule durchgeführte Elternabende, beim ersten Elterngespräch erzählen vor allem die Eltern, nicht die Lehrer. Dort wird zum Schluss ein undefinedschriftliches Versprechen mit der Schule unterzeichnet. Eltern erhalten ganz praktische Hinweise wie sie die Entwicklung ihres Kindes auch zu Hause fördern können und haben die Möglichkeit sich bereits vor Beginn der Schulzeit in Eltern-Gesprächskreisen zu Themen wie „Ist mein Kind fit für die Schule?“ oder „Darüber mache ich mir Gedanken“ austauschen. Das Elterncafé bietet Raum für Austausch genauso wie Deutschkurse an. Dabei versucht die Schule möglichst niedrigschwellige Angebote an Eltern zu richten. Ganz praktisch heißt das z.B.: Es wird nicht zum Elternseminar eingeladen sondern zum Frühstück, an dem auch ein Gast aus der Erziehungshilfe teilnehmen wird.

Die Hospitationsteilnehmerinnen stellen zum Abschluss des Besuchs begeistert fest:

„Der „Geist“, dass alle Kinder mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen, war überall spürbar, Regeln und Abläufe so klar, dass sie Sicherheit und Gelassenheit geben - ein gutes und anregendes Beispiel!“

„Wir waren beeindruckt, wie ressourcenorientiert und konsequent unser Bildungs- und Erziehungsauftrag in der "Kleinen Kielstraße" umgesetzt wird.“



Die Grundschule Kleine Kielstraße bietet regelmäßig Hospitationen an. Termine und Infos findet man auf undefinedhttp://www.grundschule-kleinekielstrasse.de/