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23.2.2012 : 5:52 : +0100

Eine „kindergerechte“ Schule für alle - Drittes Netzwerktreffen der Modellschulen für Kinderrechte Rhein-Main

Zum dritten Netzwerktreffen am 22. November 2011 wurden die Modellschulen für Kinderrechte in der Schulbibliothek der Goetheschule Wiesbaden Biebrich herzlich empfangen. Ein Jahr lang arbeiten die zehn Schulen bereits an der Umsetzung der UN-Kinderrechte im Lernalltag. Seit dem Zusammenkommen im Mai 2011 hat sich dort viel entwickelt und auch für das bevorstehende letzte Schulhalbjahr in dem Modellprojekt haben sich die Schulen Ziele gesetzt. Im Laufe des Fortbildungstages bekamen die Lehrkräfte Unterstützung für ihre Entwicklung hin zu einer „Schule mit Kinderrechts-Profil“, insbesondere ging es um die Einbeziehung aller schulischen Gruppen sowie der Eltern in die Entwicklungsprozesse.

Die Schulleiterin Gabriele Stolla hieß die Vertreter der Netzwerkschulen herzlich willkommen an der Goetheschule. „Bildung bunt!“ repräsentiert das Ziel der Grundschule, das Lernen breitgefächert anzulegen. Viele verschiedene Nationen und deren „miteinander leben“ prägen den Stadtteil und auch die interkulturelle Arbeit der Schule. Als besonders wertschätzend hob die Schulleiterin die Anwesenheit von Ann Kathrin Linsenhoff als Projektträgerin des Modellschul-Netzwerks hervor. Frau Linsenhoff begleitet das Projekt von Anfang an mit viel Engagement. Als Unterstützung für den Unterricht an den Netzwerkschulen brachte sie die Broschüre undefined„Kinderrechte machen Schule 2“ mit, die Anregungen gibt, sich im Fachunterricht mit den Kinderrechten auseinanderzusetzen. Alle Teilnehmer nahmen das Material für das gesamte Lehrerkollegium mit an ihre Schule.

KIRA macht Kinder stark

Ein kulturelles Highlight erwartete die Gäste im Musiksaal, der in eine Theaterkulisse verwandelt wurde. Kinder der vierten Klassen führten das Stück „KIRA macht Kinder stark – Bühne frei für Kinderrechte“ auf, das sie u.a. für den Elternlerntag (s. unten) einstudiert haben. „KIRA“ steht für „KInderRechte Achten“. Und genau das fordern die jungen Schauspieler ein. Sie zeigen, dass Kinderrechte nicht nur in armen Ländern dieser Welt, sondern auch für Kinder in Deutschland wichtig sind. Vernachlässigte Kinder, Fastfood und Gewaltspiele gelten schon lange als normal, widersprechen aber dem, was Kindern eigentlich zusteht: Recht auf Familie, Liebe und gesunde geistige und körperliche Entwicklung. Nach Ende des Stücks berichteten die Kinder ihren Zuschauern und Frau Linsenhoff stolz, was sie während der Theaterproben alles gelernt haben. Mit dem Stück wollen sich die Klassen um den undefined„JuniorBotschafter für Kinderrechte 2012“ bewerben.

Nachhaltigkeit des Projekts sichern

Das Projektteam eröffnete die Fortbildung mit einer undefinedÜbersicht über den Stand der Netzwerkarbeit sowie über anstehende Termine und Angebote im letzten Halbjahr des Projekts. In dieser Zeit werden konkrete Wege und Maßnahmen zur Implementierung der Kinderrechte-Schwerpunkte an den Schulen eine Rolle spielen: Wie können Strukturen im Schulalltag für die Umsetzung der Kinderrechte geschaffen werden? Werden die UN-Kinderrechte in das Schulprofil integriert, gibt es regelmäßige Projekttage zu den Kinderrechten, werden Schulcurricula mit kinderrechtlichen Inhalten abgestimmt usw.? Da Schulentwicklungsprozesse neben viel Engagement vor allem Zeit brauchen, ist eine Verlängerung der Arbeit im Modellschul-Netzwerk auf weitere zwei Jahre angedacht. Um diese Weiterführung und Einbindung in bereits bestehende hessische Bildungsstrukturen kümmert sich vor allem der wissenschaftliche undefinedProjekt-Fachbeirat unter Leitung des ehemaligen Kinderrechts-Beauftragten der Vereinten Nationen Prof. Lothar Krappmann.

Schule mit Kinderrechts-Profil

Als Mitglied dieses Fachbeirats sowie in seiner Rolle als Leiter des Projekts undefined„Gewaltprävention und Demokratielernen (GuD)“ und ausgebildeter Mediator gab Helmolt Rademacher Hinweise zur strukturellen Umsetzung des Kinderrechte-Projekts an den Schulen. Mit Hilfe einer Aufstellung machte er den Teilnehmern bewusst, wo sie damit bisher stehen. Die Lehrkräfte wurden zunächst gebeten sich in Erinnerung zu rufen, aus welcher Motivation heraus sie sich für eine Teilnahme an dem Kinderrechte-Netzwerk entschieden haben und auf welche Weise über diese Teilnahme in der Schulgemeinde abgestimmt wurde. Förderliche Bedingungen sind hierbei z.B. die Einbindung der Gesamtkonferenz sowie die Einrichtung einer festen Projektsteuergruppe, die sich um die strukturelle Einbindung der Kinderrechte an der Schule kümmert und eine Weiterentwicklung voran treibt. Bei Schulentwicklung, gerade in den Qualitätsbereichen Demokratie- und Menschrechtserziehung, kommt es vor allem auf die Kommunikation und Abstimmung zwischen verschiedenen innerschulischen Gegebenheiten an - ein fortlaufender Prozess der sich aber lohnt und ein besseres Schul- und Lernklima zur Folge hat.

Kinderrechte machen Schule im Unterricht

Wie Projekt- und Unterrichtsarbeit zu einer „kindergerechten“ Schule beitragen kann, wurde im nächsten Programmpunkt diskutiert. Zur Verwendung der undefinedMaterialien „Kinderrechte machen Schule“ und undefined„Praxis-Buch Kinderrechte“, konzipiert von Makista e.V. UNICEF Deutschland sowie der Autorin und Schulpsychologin Rosemarie Portmann, gab das Projektteam Tipps und Anregungen. Gemeinsam diskutierte die Teilnehmerrunde, welche Erfahrungen sie selbst bisher mit dem Material sammeln konnten und äußerten auch Verbesserungswünsche. Besonders als praktischer Einstieg und für die Vorbereitung von Kinderrechte-Projekten im Unterricht kam der Praxis-Ordner bisher zum Einsatz. Für ausführliche Unterrichtseinheiten bedarf es jedoch Zeit für die gemeinsame Vor- und Nachbereitung der Arbeitsblätter mit den Schülerinnen und Schülern.
Um das Lehrerkollegium an der Schule auf die Materialien aufmerksam zu machen und jeder Fachkraft einen Zugang dazu zu verschaffen, haben die meisten Steuergruppen an ihrer Schule Literaturtische eingerichtet oder darüber in den Konferenzen berichtet.

Eine neue Idee möchte die Albert-Schweitzer-Schule Langen verfolgen und thematische Materialkisten zur Kinderrechts- und Demokratierziehung zusammenstellen, die jeder Klasse zur Verfügung gestellt wird. So soll ein einheitlicher und verbindlicher Zugang zu Materialien geschaffen werden, die sich auf das pädagogische Gesamtkonzept der Schule beziehen.

Ran an die Medien

undefined„Ran an die Medien – Schulen schaffen Öffentlichkeit“. Unter diesem Titel gab Lea Berend von Makista Tipps und Hinweise zur Zusammenarbeit von Schule mit (regionalen) Medien. Sie erläuterte, welche Faktoren erfolgversprechend für eine gute Pressearbeit der Schule sein können (Kontaktaufnahme zu Journalisten, Formulierung einer Pressemeldung etc.). Die Lehrkräfte haben zwar unterschiedliche Erfahrungen damit gesammelt. Sie sind sich jedoch einig, dass eine Zusammenarbeit mit den Medien, auch mit Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, ein guter Weg ist, den Anliegen der Schule Gehör zu verschaffen.

Eltern ins Boot holen

Am Nachmittag stand das Thema Elternarbeit im Mittelpunkt. Es ging dabei allerdings nicht darum, das Thema im Allgemeinen zu erläutern. Sondern darum Vorschläge für die Zusammenarbeit mit Eltern zu sammeln, die sich auf die Umsetzung des „kindergerechten“ Schulalltags beziehen und diesen kinderrechtlichen Schwerpunkt unterstützen. Wie holt man die Eltern auf diesem Weg mit ins Boot? Wie kann man ihnen den kinderrechtlichen Fokus vermitteln? Dazu stellte Makista ein Elterninfoschreiben vor, das die Modellschulen nutzen können um Eltern über ihre Teilnahme im Schulnetzwerk und die Hintergründe einer an den Kinderrechten orientierten Pädagogik zu informieren, z.B. über das Elterncafé oder auf einem thematischen Elternabend.

Ein undefinedInput von Ingrid Zeller, Makista Vorstandsmitglied und Leiterin der Kurse „Starke Eltern – starke Kinder“, knüpfte an die Idee der Elterninfo an. Sie bietet den Schulen an, Themenabende für Eltern zu gestalten, die für eine kinderrechtliche Erziehung sensibilisieren.

Ein gutes Beispiel gelungener Elternarbeit präsentierte die Schulleiterin der Goethsschule. Dort wird seit mehreren Jahren erfolgreich der „Elternlerntag“ durchgeführt. Erfolgreich aus mehreren Gründen: Dort haben die Kinder die Verantwortung, zu zeigen, was Sie in den Wochen zuvor gelernt haben. Sie wiederholen so ihren Lernstoff und lernen zugleich ihre Ergebnisse (kreativ) zu präsentieren. Jeder dieser Tage befasst sich mit einem speziellen Thema und hat einen kulturellen Höhepunkt – aktuell ging es dort um die Kinderrechte. Alle Eltern nehmen den Aufruf an dem Lerntag teilzunehmen als soziale Verpflichtung für ihre Kinder und die Schule sehr ernst – und Sorgen im Notfall dafür, dass eine Bezugsperson stellvertretend für sie teilnimmt.

Am 1. Dezember 2011 hospitieren die Modellschulen an der undefinedGrundschule Kleine Kielstraße in Dortmund, die 2006 mit dem undefinedDeutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde und seit vielen Jahren sehr beeindruckende und förderliche Konzepte von Schulentwicklung und Elternzusammenarbeit umsetzt. (Mehr dazu in Kürze hier)

Um den Fortbildungstag inhaltlich zu reflektieren hielten die Teilnehmer fest, welche Schritte sie sich für ihre weitere Arbeit als Modellschule für Kinderrechte vornehmen – diesen „Fahrplan“ nahmen sie als Abschluss des Treffens mit in ihre Schule und schafften somit ein Stück Verbindlichkeit.

Weitere Informationen

undefinedProgramm

undefinedPräsentation "Stand im Schul-Netzwerk" (Makista)

undefinedPräsentation "Schulentwicklung" (H. Rademacher)

undefinedPräsentation "Angebot Elternarbeit" (I. Zeller)

undefinedBericht des 3. Netzwerktreffens als PDF

undefinedBericht zur Hospitation Kleine Kielstraße Dortmund

Impressionen