Engagement von Kindern und Jugendlichen gemeinsam fördern! Länder-Netzwerk zum JuniorBotschafter „16eins für Kinderrechte“ trifft sich in Hanau
Gemeinsam mit UNICEF Deutschland und mit Unterstützung der Kathinka-Platzhoff-Stiftung aus Hanau hat der Verein „Macht Kinder stark für Demokratie“ (kurz: Makista) das Länder-Netzwerk „16eins für Kinderrechte“ zum JuniorBotschafter gegründet. Multiplikatoren aus verschiedenen Bundesländern kamen am 16. und 17. Mai zu dem diesjährigen Netzwerktreffen in Hanau zusammen und tauschten sich zu Kinderrechteprojekten rund um die bundesweite JuniorBotschafter-Aktion aus. Ein Highlight war dabei die Abendveranstaltung mit einem Gastvortrag von Kurt Edler aus Hamburg zum Thema „Kinder brauchen große Aufgaben. Kinderrechte und demokratisches Engagement in Schule und Gesellschaft“.
„16eins für Kinderrechte“ will als Netzwerk den fachlichen Austausch intensivieren, gute Beispiele nutzbar machen und die Arbeit der Länder-Multiplikatoren vor Ort unterstützen. Alle regional und bundesweit aktiven Verbände und Initiativen sind eingeladen, den "JuniorBotschafter" in ihre kinderpolitischen Aktivitäten zu integrieren. Das Netzwerk soll diese Integration durch länderübergreifenden Austausch fördern. Eine Projektwebseite stellt u.a. Informationen zu den Länder-Aktivitäten zusammen und bietet unterstützend Praxis-Materialien für Multiplikatoren zur Verfügung. Außerdem erscheint vierteljährlich ein Netzwerk-Newsletter. Ursprung der Vernetzungsidee war die Entwicklung des JuniorBotschafter-Sonderpreises „Projekttag Kinderrechte machen Schule“ im Jahr 2007, mit dem Makista und UNICEF auf das Thema Kinderrechte in Deutschland und seine Umsetzung im Schulalltag aufmerksam machen wollten. 16eins baut auf Kontakten, Gesprächen und Fortbildungen dieser letzten Jahre auf und hat Ideen und Anregungen daraus in das aktuelle Netzwerktreffen eingebracht.
Der "JuniorBotschafter für Kinderrechte" ist ein Peer-to-peer Beteiligungsprojekt. Seit 2004 engagieren sich viele Tausend Kinder und Jugendliche für die Kinderrechte in Deutschland und weltweit. Dabei entscheiden sie selbst, wen sie mit ihrer Aktion unterstützen. Der jährlich stattfindende Wettbewerb zeichnet gute Beispiele aus. Daher bietet der "JuniorBotschafter" ein geeignetes Forum für alle Kinder und Jugendlichen, ihr zivilgesellschaftliches Engagement zu bündeln. Die JuniorBotschafter 2011 wurden am 30. Mai in der Frankfurter Paulskirche geehrt.
Tag 1: "Schatzsuche" in den Bundesländern
In dem Netzwerk „16eins“ engagieren sich 35 Personen aus allen Bundesländern –
Multiplikatoren aus unterschiedlichsten Organisationen wie städtischen Kinderbüros, Kultus- und Sozialministerien, UNICEF-Arbeitsgruppen, Schulen, Kinder- und Menschenrechtsorganisationen, Lehrerbildungsinstitute oder Jugendbildungsstätten. 25 Vertreter aus 10 Bundesländern trafen sich am 16. und 17. Mai im hessischen Hanau. Hanau ist Sitz der
Kathinka-Platzhoff-Stiftung, die sich gemeinsam mit anderen örtlichen Initiativen auf den Weg zur „kinderfreundlichen Stadt“ begeben hat – ein passender Ort um das Engagement vieler Partner aus ganz Deutschland zu bündeln.
Marianne Müller-Antoine, Bildungsreferentin bei UNICEF Deutschland, Thorsten Hitzel, Geschäftsführer der Kathinka-Platzhoff-Stiftung und Sonja Student, Vorsitzende von Makista e.V. begrüßten die Teilnehmer aus dem Länder-Netzwerk im Olof-Palme-Haus. Vier wichtige Ziele des Treffens betonte Sonja Student: Handlungsorientierte Zusammenarbeit, systematische Vernetzung, Bestehendes sichern und Neues entwickeln. Und all das im Rahmen des JuniorBotschafters als bundesweit bildungs- und gesellschaftspolitisch bedeutsamen Peer-to-Peer-Ansatz von Kindern und Jugendlichen. In der Netzwerkarbeit steckt das Potenzial zur frühen Förderung bürgerschaftlichen Engagements und eines kindergerechten Deutschlands, das von allen Menschen mitgestaltet wird. Der JuniorBotschafter birgt neue und wirkungsvolle Bildungschancen und Anknüpfungspunkte an bestehende erfolgreiche Programme, wie z.B. Buddy oder Lernen durch Engagement.
Eine ausführliche Vorstellungsrunde gab Anregungen für solche möglichen Kooperationen. Für alle sichtbar waren auf Pinnwänden Ansprechpartner und Aktivitäten aus den einzelnen Bundesländern ausgestellt. Dadurch wurde zu Beginn des Treffens gesammelt, welche Ansätze bereits vorhanden sind. Intensiver mit diesen „Schätzen“ beschäftigten sich die Multiplikatoren in länder- und regionalspezifischen Gruppen. Was dort an Ideen-Highlight gefunden wurde, ergänzten die Teilnehmer auf den Länder-Pinnwänden und nahmen es mit in den zweiten Tagungsteil am nächsten Morgen.
Abendveranstaltung "Kinder brauchen große Aufgaben"
Am Abend erweitere sich der Teilnehmerkreis aus dem Länder-Netzwerk, als sich ab 19 Uhr mehr als 80 Gäste aus dem Umkreis Hanau im großen Saal des Olof-Palme-Hauses einfanden – Studenten der Fachhochschule Frankfurt, Vertreter aus Schulen und Kindertageseinrichtungen, gemeinnützigen Organisationen oder der Stadt. Die Kathinka-Platzhoff-Stiftung hatte gemeinsam mit Makista und UNICEF zu der Vortragsveranstaltung „Kinder brauchen große Aufgaben“ eingeladen. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Stiftung sowie den Stadtrat Axel Weiß-Thiel stellte die JuniorBotschafter-Gruppe aus Hanau ihr Projekt vor. Sie sind mit ihrer Aktion gegen Kinderarbeit sogar in die Finalrunde des diesjährigen JuniorBotschafter-Wettbewerbs gekommen. Die Jugendlichen zeigen: Eintreten für Kinderrechte lohnt sich!
Was passiert, wenn Kinderrechte nicht umgesetzt sind, thematisiert Kurt Edler in seinem Hauptvortrag „Kinderrechte und demokratisches Engagement in Schule und Gesellschaft“. Kurt Edler kommt aus Hamburg und ist sowohl Bundesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik als auch deutscher Koordinator im Europarats-Projekt Education for Democratic Citizenship/ Human Rights Education und Referatsleiter Gesellschaft am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. „Mit Demokratie müssen wir versuchen, jungen Menschen einen Sinn zu geben“, so seine Forderung. Kinder und Jugendlichen müssen ihr Recht auf Mitgestaltung der Welt umsetzen können. Durch die Beteiligung an der Gemeinschaft erhalten sie die Chance „gesehen zu werden“ – eine wichtige Vorraussetzung Demütigungen und Kränkungen zu verhindern. Vor allem durch förderliche Verhältnisse und Strukturen an Schulen spielen dabei eine Rolle. Dort muss man Kindern zeigen, dass sie etwas leisten und sie mit Verantwortung betrauen. Kurt Edler sprach viele Hindernisse aber auch Lösungsansätze zur Umsetzung seiner Forderung an und erhielt große Zustimmung aus dem Publikum.
Mit Liedern und Gedichten des Poeten, Musikers und Sängers Shmuel Kedi war im Anschluss für eine feinsinnige künstlerische Begleitung gesorgt. Shmuel Kedi vereinigt in seiner persönlichen Biographie die Versöhnung der israelischen, arabischen und deutschen Kultur. In der Pause gab es bei Flammkuchen und Wein Gelegenheiten zu vielen Gesprächen und Vernetzung.
Tag 2: Von 16 auf eins - Ein Netzwerk wird geknüpft
Nach dem Motto „ von 16 auf eins“ nutzten die Teilnehmer den nächsten Vormittag dafür, die Ideen-Highlights der Bundesländer im Sinne des gemeinsamen Ziels im Netzwerk einzusetzen. Orientiert an drei Themenschwerpunkten gemeinsamer Arbeit diskutierten sie die verschiedenen Projekte und erarbeiteten weitere Ideen und Maßnahmen: Bekanntmachung und Öffentlichkeitsarbeit für den JuniorBotschafter, Kinderrechte in der Schule, Gestaltung „kinderfreundlicher“ Kommunen.
Neben der Bereitstellung eines regelmäßigen Info-Newsletters, der über die Multiplikatoren im Land verschickt werden kann, bietet z.B. die gezielte Ansprache von Schulen und Jugendeinrichtungen die Möglichkeit den JuniorBotschafter für Kinderrechte vorzustellen. Besonders gelungen ist dies bereits in Rheinland-Pfalz umgesetzt: Um die Schulen des Landes bei der Aufgabe der Kinderrechts- und Menschenrechterziehung zu unterstützen, verschickte das Bildungsministerium im Jahr 2010 eine
Kinderrechte-Mappe mit zahlreichen Materialien und Hinweisen und dem Aufruf zum Kinderrechte-Projekttag im Rahmen der fest etablierten rheinland-pfälzischen „Woche der Kinderrechte“. U.a. sind darin Lehrplanbezüge zum Thema Kinderrechte, eine Kinderrechte-Bibliografie, ein JuniorBotschafter-Poster sowie die Broschüre „Kinderrechte machen Schule“ enthalten. Von dem Konzept der offiziellen Ansprache durch die Länder-Ministerien sind alle überzeugt. Der Weg über die Ministerien oder Landes-Bildungsserver ermöglicht es, sich näher an den spezifischen Gegebenheiten im Land zu orientieren und Ideen schneller praxisnah zu verbreiten und nutzbar zu machen. Eine nächste Gelegenheit für einen Aktions-Aufruf bietet z.B. das 20-jährige Jubiläum der Unterzeichung der UN-Kinderrechtskonvention durch die Bundesrepublik im Jahr 1992. Dazu erscheint die Broschüre „Kinderrechte machen Schule 2“ mit dem Schwerpunkt „Unterrichtsanregungen für einzelne Fächer“, die konkrete Methoden beschreibt und weitere Hinweise und Tipps zum Engagement als JuniorBotschafter enthält.
Die Frage der Umsetzung von Kinderrechten an Schulen kommt in der Diskussionsrunde immer wieder zur Sprache. Dort kann allen Kindern und Jugendlichen ein Verständnis ihrer Rechte vermittelt werden – durch Unterrichtseinheiten, durch Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten und durch aktives Engagement in Projekten. Wie man aber Kinderrechte im Unterricht konkret umsetzt oder wie eine JuniorBotschafter-Aktion in den Schulalltag integriert werden kann, stellt Viele vor Probleme. Lehrkräfte können hier Unterstützung von außerschulischen Partnern gebrauchen. Einige Projekte der 16eins-Multiplikatoren beschäftigen sich mit diesem Thema. Am Hamburger Lehrerfortbildungsinstitut gibt es die Aktionen „Klasse Klasse werden“ und „Schüler, Schule, Mitbestimmung“ zu Klassenrat und Demokratie an der Schule. Außerdem bieten Landesschülervertreter Seminare zur Gestaltung demokratischer Schule an. Anregungen für andere Länder möchte das
„Modellschul-Netzwerk für Kinderrechte“ geben, das derzeit im hessischen Rhein-Main-Gebiet aufgebaut wird. Neue Ideen im Bereich „Schüler und Zeitung“ möchten Initiativen aus Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt umsetzen – auch um damit eine Brücke zwischen Schule und Partnern in der Kommune zu schlagen.
Welche erfolgreichen Wege die Stadt Hanau bisher als „kinderfreundliche Stadt“ gegangen ist, stellte Stefanie Kämmerer vom Hanauer Präventionsrat vor. Angeregt durch den Austausch im 16eins-Netzwerk möchte sich die Stadt, neben den aktuellen Schwerpunkten Familie und Beteiligung von Kindern, in Zukunft auch mit der Kinderrechte-Umsetzung in Schulen beschäftigen. Mit ihrem Konzept bewirbt sich die Stadt als Modellkommune im neuen UNICEF-Programm „kindergerechte Kommune“, das zurzeit erarbeitet wird.
Ein Film aus Baden-Württemberg zeigte zum Abschluss des Treffens, welche Energie und welches Engagement junge Menschen entfalten können: Im Jahr 2010 war die
Stadt Karlsruhe UNICEF-Kinderstadt. Dem gemeinsamen Aufruf der Stadt und des Kinderhilfswerk sind viele Bürger, Vereine, Firmen und sonstigen Institutionen gefolgt und haben mit eine Vielzahl von Aktionen für die Kinderrechte organisiert. Ganz stark getragen wurde die Städtepartnerschaft dabei von Kindern und Jugendlichen der UNICEF-JuniorBotschafter-Gruppe, unter Leitung von Ursula Grass. Mit großem Erfolg haben sie z.B. die „Meile für Engagement“ ins Leben gerufen und stellten ihre Ideen sogar der Vorsitzenden der Kinderkommission des Bundestags, Marlene Rupprecht, vor.
Durch den intensiven Austausch während des zweitägigen Treffens sind die Länder-Multiplikatoren ermutigt neue Themen in der eigenen Arbeit umzusetzen und motiviert, das Netzwerk als gegenseitige Unterstützung zu nutzen. Jeder Teilnehmer bringt seine Stärke ein und trägt so zum Gelingen des Länder-Netzwerks für Kinderrechte bei.
Vielen Dank an alle Mitwirkenden und Unterstützer!
Weitere Informationen
Programm zum Netzwerktreffen
Einladung und Programm zur Abendveranstaltung am 16.5.
Präsentation "Ziele und Stand des Länder-Netzwerks" (Makista e.V.)
Präsentation "JuniorBotschafter für Kinderrechte" (Marianne Müller Antoine, UNICEF)
Präsentation "Hanau - auf dem Weg zur kinderfreundlichen Stadt" (Stefanie Kämmerer, Präventionsrat Hanau)
Presseartikel zur Abendveranstaltung Kinderrechte- Text von Kurt Edler
"Die neue Generation der Demorkatie"








